Berlin, mein Sehnsuchtsort.

03.21.2018

Mit jeder Station komme ich dieser großen Stadt näher und ich merke wie mein Herz leichter wird, mir diese Tatsache ein Lächeln ins Gesicht zaubert, denn ich bin wieder hier an einem meiner Sehnsuchtsorte.

Ich steige aus der Bahn und schon prasseln die Eindrücke auf mich ein. Ein Moment der Überforderung bricht über mich ein und doch ist da auch eine große Portion Freude und Wohlergehen. Ich liebe es Menschen zu beobachten und all ihre Facetten aufzusaugen. Dieses Gewusel macht mir einfach Spaß. Da ist der Punk mit klischeehaften, grünem Irokesen-Haarschnitt in lila Leggins und Hotpants, junge Mädels stehen zusammen, anscheinend bereit zum Ausgehen. Grüppchen von Menschen mit einem Bier in der Hand, auch das für mich ein typisches Merkmal in Berlin.

Nach einem tollen Abend und einer Übernachtung bei den Ur-Berlinern Konsti und Alu von grosseköpfe laufe ich nun gerade zu Fuß nach Kreuzberg. Von der Haltestelle „Frankfurter Tor“ hätte ich auch die Tram nehmen können, doch ich entscheide mich für einen langen Spaziergang über die Warschauer Straße. Über die holprigen Gehwege laufend atme ich tief die kalte Luft ein, die sich an diesem grauen Morgen in die Straßen legt, in der Hoffnung dieses Gefühl für immer in meinen Kapillaren spüren zu können.

Gehweg in Berlin

Menschen laufen hastig nach der Bahn und hängen mit ihren großen Kopfhörern ihren Gedanken nach und in mir macht sich immer noch dieses große Gefühl von „zu Hause sein“ breit. Die Häuser sind alle etwas angegraut, auf den ersten Blick könnte man meinen, sie hätten den Zenit schon lange überschritten und doch kann ich mich eines gewissen Charmes nicht entziehen.

Altes Gebäude in Berlin

Aber was macht diesen Ort für mich so aus? Ich frage mich immer wieder, warum Berlin für mich so ein Sehnsuchtsort ist. Ich war schon in vielen Städten. Hamburg ist schön, München und Köln gefallen mir auch, doch nur Berlin löst dieses schöne Gefühl in mir aus. Ich glaube es ist die schiere Größe und diese gewisse „Verrücktheit“. Jeder Mensch darf hier so sein, wie er will. Und das wird hier auch knallhart so ausgelebt. Da ist der Punk von oben, oder die volltätowierte Mama mit ihrem Kind am Morgen auf den Weg in den Kindergarten. Irgendwie geht man in dieser Masse an Leuten unter und doch ist jeder auf seine kleine Art und Weise speziell. Und DAS ist es, was ich an Berlin liebe.

Mag sein, dass ich hier total verklärt durch meine Brille schaue. Nicht umsonst heißt es, dass sich Orte ändern wenn man dort lebt und nicht nur Urlaub macht. Oder das sich dieses „romantische“ Gefühl verflüchtigt, wenn man länger als eine Woche die vielen Menschen, die Lautstärke, „die Berliner Schnauze“ erlebt.

Aber doch ist da die Sehnsucht. Ich bin definitiv ein Stadtmensch. Wir wohnten früher in Wiesbaden und diese Stadt habe ich geliebt. Ich liebte unsere Altbau-Wohnung und die Möglichkeit in 15 Minuten in der Fußgängerzone zu stehen. Dort all die Einkaufsmöglichkeiten zu haben und selbst kleinere Independent-Läden hatte es. Das kulturelle Angebot ließ keine Wünsche offen.

Aber diese mit Geschichte geschwängerte Stadt hat es mir einfach angetan.

Klar, überlege ich mir, was ich in und an Berlin hätte, was ich in unserem Städtchen im Rhein-Main-Gebiet vermisse. Vordergründig ist alles toll. Die Stadt ist nicht zu klein aber auch nicht zu groß. Die Kinder können auf der Straße Fahrradfahren lernen und die Ruhe in den Straßen genießen, denn Autos kommen hier eher selten vorbei. Wir bekamen sofort einen Kita-Platz in unserer Wunschkita, eine Montessori-Schule haben wir sogar hier, auf die K1 in einem Jahr gehen soll. Wir bekommen hier Klamotten und müßen für Lebensmittel nicht weit fahren. Klingt doch eigentlich alles perfekt, oder? Doch ein wenig fehlt es hier an Menschen und Möglichkeiten für uns. Und ich meine die verrückten Menschen voller Tatendrang und Ideen. Durch das Internet sind wir zwar gut vernetzt, doch „echte“, reale Kontakte fehlen uns.

Fußgängerweg Oberbaumbrücke

Ich laufe mit Peter Fox auf den Ohren weiter über die Oberbaumbrücke und blicke über die Spree. Im Osten sieht man das Monumentalkunstwerk „Molecule Men“, zum Westen hin die Eastside Gallary und schon bin ich in Kreuzberg. Auf der Hochbahn kommt mir die gelbe Technikschlange der Berliner Verkehrsbetriebe entgegen, zu der die Berliner eine innige Hassliebe pflegen und klackert sich im Takt ihren Weg durch den Großstadt-Dschungel. Ich habe das Gefühl wieder in einen anderen, kleine Kosmos zu tauchen, andere Läden, andere Pflastersteine, andere Öffnungszeiten. Auf einem bestimmt 3 Meter breiten Gehweg kommt mir eine Person entgegen. Weder sie noch ich weichen aus und unsere Schultern berühren sich im Vorbeigehen. Unbeirrt legt sie ihren Weg fort, als ob nichts gewesen wäre und zeigt mir ihre unbeirrbaren Fick-dich-Haltung. Ich bin hier, ich bin groß. Und genau das ist es, was ich an dieser Stadt liebe, dieser Facettenreichtum und diese Unbeirrbarkeit ihrer Identität, mit all seinem Guten und Übel, so besingt es auch Peter Fox in „Schwarz zu blau“:

Du bist nicht schön und das weißt du auch
Dein Panorama versaut
Siehst nicht mal schön von weitem aus
Doch die Sonne geht gerade auf
Und ich weiß, ob ich will oder nicht
Dass ich dich zum Atmen brauch

 

Mein Herz schlägt schneller, wenn ich in Berlin bin.

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